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Vegetarische und vegane Ernährung

Obst, Gemüse, Knäckebrot und Reiswaffeln von oben fotografiert
© Colourbox

Vegetarierinnen und Veganer sind noch eine kleine Minderheit, aber die Zahl der Menschen, die sich für eine solche Ernährung entscheiden, wächst.


Im Zuge des Klimawandels rückt eine nachhaltige Lebensweise immer mehr in den Fokus. Der weltweite Fleischkonsum ist dabei ein entscheidender Faktor. Obwohl eine fleischlose Ernährung in Deutschland immer populärer wird, nimmt der Fleischverbrauch seit Jahren global zu.

Diagramm zum weltweiten Fleischkonsum © Fleischatlas 2021/OWID

Die intensive Massentierhaltung benötigt viel Platz für den Anbau von Futtermitteln wie Mais und Soja, wofür teils große Flächen von Wäldern abgeholzt werden. Außerdem verbraucht die industrielle Tierhaltung extrem viel Wasser und produziert klimaschädliche Emissionen.

In Deutschland ist der durchschnittliche Fleischkonsum zwar in den letzten Jahren leicht rückläufig, mit knapp 60 Kilogramm Fleisch pro Person pro Jahr aber immer noch sehr hoch. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, maximal 600 Gramm Fleisch pro Woche zu verzehren. Das entspricht in etwa der Hälfte des aktuellen Fleischverbrauchs. Eine solche Reduzierung würde sich nicht nur positiv auf das Klima und das Tierwohl, sondern auch auf die Gesundheit auswirken. Ein übermäßiger Fleischkonsum kann Volkskrankheiten wie Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder hohen Blutdruck begünstigen.

Es gibt viele Wege, sich gesund und nachhaltig zu ernähren, zum Beispiel durch einen bewussten Konsum von qualitativ hochwertig produziertem Fleisch aus artgerechter Tierhaltung. Vegetariern und Veganern reicht das nicht. Das Institut für Demoskopie Allensbach hat ermittelt, dass es in Deutschland unter den über 14-Jährigen circa 6,5 Millionen Vegetarier und etwas über eine Million Veganer gibt.

Grünes Säulendiagramm © statista.com

Vor allem jüngere Menschen verzichten zunehmend auf Fleisch bzw. tierische Produkte. Bei der Befragung für den Fleischatlas 2020 der Heinrich-Böll-Stiftung gaben 10,4 Prozent der 15- bis 29-Jährigen an, dass sie sich vegetarisch ernähren, 2,3 Prozent leben vegan. 25,7 Prozent der Befragten essen nur gelegentlich Fleisch und wenn, aus guter Haltung. Der Anteil der Mädchen und Frauen unter denjenigen, die sich fleischlos ernähren ist mit rund 70 Prozent deutlich höher, als die der Jungen und Männer.

Neue Alternativen zu Fleisch

Der Verzicht auf Fleisch ist nicht immer einfach. Selbst unter den befragten Vegetariern gab die Hälfte an, dass ihnen Fleisch gut schmeckt. Doch zum Glück wächst die Auswahl an Alternativen. Mehrere Unternehmen entwickeln und produzieren pflanzliche Würste oder Schnitzel aus Tofu, Seitan, Lupinen oder Jackfruit, die normalen Fleischprodukten in Geschmack und Konsistenz möglichst nahe kommen sollen. Im Vergleich zum Vorjahr nahm die Produktion von Fleischersatzprodukten in Deutschland im Jahr 2020 um knapp 39 Prozent zu. Das junge Schweizer Unternehmen planted hat beispielsweise mit dem planted.chicken eine vegane Fleischalternative aus Erbsenprotein, Erbsen fasern, Rapsöl, Wasser und Vitamin B12 geschaffen. Die vier Gründer wollen sich damit für Geschmack, Umwelt, Tierwohl und Gesundheit einsetzen.

Infografik zu Fleischersatzprodukten, Anteile dargestellt in Würstchen © Statistisches Bundesamt (Destatis), 2021

Ist vegan auch gesund?

Die internationale Organisation Veganuary möchte weltweit dazu bewegen, insbesondere im Januar, wenn viele Menschen traditionell versuchen, gute Vorsätze fürs neue Jahr umzusetzen, eine rein pflanzliche Ernährung für einen Monat auszuprobieren. Doch ist eine vegane Ernährung dauerhaft gesund? Generell gilt für jede Form der Ernährung, dass diese möglichst ausgewogen sein sollte, damit der Körper ausreichend mit wichtigen Nährstoffen wie Eisen, Jod oder Vitaminen versorgt wird. Wer komplett auf tierische Produkte verzichten möchte und auf vegane Kost umstellt, sollte sich intensiv damit auseinandersetzen, zum Beispiel im Rahmen einer Ernährungsberatung. Insbesondere bei Kindern und Jugendlichen, die neben anderen Bevölkerungsgruppen wie beispielsweise Schwangeren einen erhöhten  Nährstoffbedarf aufweisen, ist eine überlegte Nahrungsmittelauswahl sowie eine Zufuhr von Nahrungsergänzungsmitteln wie Vitamin B12, das nur in tierischen Lebensmitteln natürlich vorhanden ist, von großer Bedeutung.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, die eine vegane Ernährung für Menschen mit erhöhtem Nährstoffbedarf nicht explizit empfiehlt, legte in ihrem 14. Ernährungsbericht im November 2020 die Ergebnisse der VeChi-Youth-Studie vor, bei der das Ernährungsverhalten und die Nährstoffversorgung  bei veganer, vegetarischer und Mischkost von 401 Kindern und Jugendlichen im Alter von 6 bis 18 Jahren verglichen wurden. Die Zahl der Teilnehmer und Teilnehmerinnen war zu gering, um statistisch signifikante Aussagen zu treffen. Die Ergebnisse zeigten allerdings nur geringe Unterschiede in der Nährstoffversorgung. Bislang fehlen große und aussagekräftige Studien zum Thema vegane Ernährung bei Minderjährigen. Auch eine nicht-vegane Ernährung kann Risiken bergen, zum Beispiel wenn sich Kinder und Jugendliche von Fast Food, Süßigkeiten, Knabberartikeln und Fertiggerichten ernähren.

in den Fokus rücken: wichtiger werden; in den Vordergrund stellen
in den Fokus rücken: wichtiger werden; in den Vordergrund stellen
die Massentierhaltung: Die Menschen halten eine große Menge an Tieren in großen Betrieben und probieren mit technischer Unterstützung möglichst viele Produkte aus ihnen herzustellen.
das Futtermittel, die Futtermittel: was Tiere essen
abholzen: viele Bäume fällen; viele Bäume zum Fallen bringen
rückläufig: weniger werden
verzehren: hier: essen
das Tierwohl: Den Tieren geht es gut.
artgerecht: hier: Es ist so, wie es für eine bestimmte Tierart sein sollte.
der/das Seitan: Eine fleischähnliche Masse aus Weizeneiweiß, das in der traditionellen japanischen Küche verwendet wird
die Lupine, die Lupinen: eine Pflanze mit gelben Samen, ähnlich wie eine Bohne
die Jackfruit: eine tropische Frucht, die gerne als Fleischersatz benutzt wird
das Fleischersatzprodukt, die Fleischersatzprodukte: Ein Lebensmittel soll aussehen und schmecken wie Fleisch, ohne aber Fleisch zu sein.
die Faser, die Fasern: hier: Material, das aus der Schale der Erbsen gewonnen wird
sich einsetzen für: für etwas sein; sich engagieren für
sich einsetzen für: für etwas sein; sich engagieren für
sich einsetzen für: für etwas sein; sich engagieren für
der gute Vorsatz, die guten Vorsätze: die Absicht, gute Dinge zu tun; sich vornehmen, gute Dinge zu tun
ausgewogen: hier: von allem so viel essen, dass es genau richtig ist
der Nährstoff, die Nährstoffe: ein Stoff, der für den Körper wichtig ist, um gut funktionieren zu können
sich auseinandersetzen mit: hier: sich beschäftigen mit; sich informieren
sich auseinandersetzen mit: hier: sich beschäftigen mit; sich informieren
einen erhöhten Nährstoffbedarf aufweisen: mehr Nährstoffe brauchen
einen erhöhten Nährstoffbedarf aufweisen: mehr Nährstoffe brauchen
die Zufuhr: die Einnahme; etwas hinzufügen; etwas einnehmen
das Nahrungsergänzungsmittel, die Nahrungsergänzungsmittel: Nährstoffe wie zum Beispiel Vitamine in Form von Tabletten, die man zusätzlich zum Essen nimmt
die Nährstoffversorgung: gibt an, ob der Körper genug Nährstoffe bekommt
aussagekräftig: eine deutliche Aussage machen; gute Informationen geben
Risiken bergen: Risiken haben; gefährlich sein
der Knabberartikel, die Knabberartikel: salzige oder süße Snacks, die man in kleinen Stückchen isst, wie zum Beispiel Kartoffelchips, also in Fett gebackene und gesalzene dünne Kartoffelscheiben